Hexagon Mining und AngloAmerican erhöhen Sicherheit im Bergbau

Fallstudie

Autor: Neville Judd

Die Kunst des Bergbaus besteht darin, einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Produktivität zu finden. Um heute erfolgreich sein zu können, muss beides optimiert werden. Integrierte Lösungen helfen dabei. Im Januar zeichnete das Mining Magazine Hexagon Mining und seinen Kunden, AngloAmerican Kumba Iron Ore, für die Einführung von HxGN Mine VIS mit dem Sicherheitspreis 2017 aus. Mine VIS steht für Vehicle Intervention System – ein System, das die Kontrolle über ein Fahrzeug übernimmt, wenn der Fahrer nicht angemessen auf Kollisionswarnmeldungen reagiert. Damit ist Mine VIS das erste System seiner Art auf dem Markt.

Die Leser des Mining Magazine wählen jedes Jahr in verschiedenen Kategorien aus mehreren Nominierten einen Sieger, der entscheidend zur Weiterentwicklung des Bergbaus beigetragen hat.

Fabien Kritter von Hexagon Mining und Mzwandile Buthelezi von AngloAmerican Kumba Iron Ore haben gemeinsam ein System zur Übernahme der Fahrzeugkontrolle erarbeitet, das eine zusätzliche Sicherheitsebene zum bestehenden Kollisionswarnsystem (Collision Avoidance System – CAS) von Hexagon Mining bildet. Das CAS sorgt bereits für die Sicherheit von über 25.000 Fahrzeugen in Minen weltweit, zu denen auch die Sishen-Mine von AngloAmerican in Südafrika zählt.

Das VIS wird in der Mine derzeit in Betrieb genommen, deutlich bevor ab Juni 2019 staatliche Vorschriften die Verwendung dieser Technologie erfordern.


Gute Partnerschaft als Schlüssel zur Produktentwicklung



Durch die enge Zusammenarbeit mit Bergbauunternehmen stellt Hexagon Mining sicher, dass die entwickelten Produkte den Anforderungen der Anwender entsprechen. Nach der Durchführung einer gründlichen Risikoanalyse in der Sishen-Mine in Südafrika wandte sich AngloAmerican an Hexagon Mining.

„Wir haben hart gearbeitet, um herauszufinden, wo genau unsere Risiken liegen“, erinnert sich Buthelezi. „Ab Juni 2019 treten in Südafrika neue Sicherheitsvorschriften in Kraft. Systeme zur Übernahme der Fahrzeugkontrolle sind ab diesem Zeitpunkt Pflicht.“

Gemeinsam erarbeiteten die beiden Unternehmen einen schrittweisen Ansatz zur Entwicklung eines VIS. Das System erkennt und verhindert Kollisionen, indem zum Beispiel ein Muldenkipper bei Kollisionsgefahr automatisch abgebremst oder sogar gestoppt wird.

Das VIS übernimmt die Kontrolle, wenn der Fahrer nicht angemessen auf eine Meldung des Kollisionswarnsystems CAS reagiert. Abhängig von der Situation kann das VIS automatisch den Antrieb unterbrechen und den Retarder oder die Betriebsbremse aktivieren.

Das VIS ist in das CAS integriert und nutzt dieselben Sensoren und eine gemeinsame Benutzeroberfläche. Über eine unauffällige Anzeigeeinheit in der Kabine bietet das CAS dem Maschinenführer eine 360°-Annäherungserkennung bei jeder Geschwindigkeit und unter jeglichen Umgebungsbedingungen.

Maschinenführer profitieren beim Einsatz des CAS von der höchstmöglichen Sicherheit. Dadurch können sie konzentrierter und produktiver arbeiten – insbesondere bei schlechter Sicht infolge von Regen, Schnee oder Nebel. Aber auch nachts ist das System unschätzbar wertvoll und unterstützt reibungsloses, effizientes Arbeiten.

„Das VIS ist die beste Versicherung für den Fall, dass ein Maschinenführer nicht auf eine CAS-Warnung reagiert“, erklärt Kritter. „Es überblickt den Verkehr in der Grube und gewährleistet die Sicherheit, wenn der Fahrer dazu nicht in der Lage ist. Diese zusätzliche Sicherheitsebene kann durch die Verhinderung von Unfällen, Verletzungen und Todesfällen Millionen von Dollar sparen.

Zudem handelt es sich um das einzige im Feld getestete Level-9-System, das derzeit auf dem Markt ist.“

Bei „Level 9“ handelt es sich um Technologien, die automatisch eingreifen und die Kontrolle über eine Maschine übernehmen, um gefährliche Situationen zu verhindern.


Produktentwicklung als gemeinsame Reise



Kritter beschreibt die Zusammenarbeit mit AngloAmerican am VIS als gemeinsame Reise.

„Als Produktmanager ist Feedback vom Kunden für mich sehr wertvoll. AngloAmerican hat sich sehr viele Gedanken darüber gemacht, wo genau seine Probleme liegen und mit welcher Technologie sie sich lösen lassen. Die direkte Interaktion zwischen uns hat maßgeblich zur Entwicklung des Produkts beigetragen.“

VIS wird nun neben der Sishen- auch in der Kolomela- Mine von AngloAmerican in Betrieb genommen, wo das Produkt nicht nur zur Sicherheit beitragen wird.

„Unsere Zusammenarbeit war sehr lohnend“, zieht Buthelezi sein Resümee. „Wir werden uns auch weiterhin gemeinsam mit Hexagon Mining darum bemühen, den Betrieb noch sicherer zu gestalten. Überraschenderweise kann das sogar zu Produktivitätssteigerungen führen: Überall, wo es abwärts geht, stehen derzeit Stoppschilder, an denen die Fahrer anhalten müssen, um nicht zu viel Fahrt aufzunehmen.

Aber mit den Systemen, die wir entwickeln und in Betrieb nehmen wollen, ist das einfacher zu realisieren, sodass auf einige dieser Stoppschilder verzichtet und damit die Produktivität erhöht werden kann. Obwohl Sicherheit immer an erster Stelle steht, ist natürlich auch Produktivität ein wichtiger Aspekt.“

Kritter ist überzeugt davon, dass das VIS ein Musterbeispiel für künftige Produktentwicklungsprozesse darstellt.

„Genau auf diese Art können wir in Zukunft erfolgreiche Produkte entwickeln“, ist seine Einschätzung. „Das passiert nicht im Büro am Schreibtisch, sondern durch direkte Interaktion mit dem Kunden.“

Buthelezi kann dieser Aussage nur zustimmen: „Es war ein spannendes Projekt“, findet auch er. „Wir hatten die Möglichkeit, Ideen auszutauschen. Manchmal sind wir derselben Meinung, manchmal auch nicht – das ist Teil des Prozesses. Aber ich muss wirklich sagen: Die Flexibilität, mit der Hexagon Mining auf unsere Anforderungen einging, hat mich begeistert. Wir mussten aufgrund der Erkenntnisse, die wir während der Arbeit an dem Projekt gewonnen haben, das Ziel neu definieren und uns umorientieren, haben aber trotzdem viel von dem geschafft, was wir uns vorgenommen hatten.

Andere Anbieter hätten es sich einfacher gemacht und an dieser Stelle gesagt: Sie bekommen, was Sie bestellt haben. Aber dank unserer guten Beziehung haben wir nun ein Produkt, mit dem wir alle zufrieden sind.“ 

Reporter 83

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