Grossprojekt im Venedig des Nordens

Fallstudie

Autorin: Karina Lumholt

Die schwedische Hauptstadt Stockholm liegt auf 14 Inseln im Mälarsee und grenzt im Osten an die Ostsee. Gamla Stan in der Altstadt zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten Europas. Die zahlreichen Wasserstraßen und Brücken sind charakteristisch für Stockholm, das auch oft als „Venedig des Nordens“ bezeichnet wird.

Die Region steht vor großen Herausforderungen: Jahr für Jahr ziehen ca. 30.000 Menschen in die Hauptstadt. Das entspricht zwei vollen Bussen pro Tag und macht Stockholm aktuell zu einer der am schnellsten wachsenden Metropolregionen Europas. Das Verkehrssystem ist anfällig für Störungen, da die Stadt nur über eine einzige Nord-Süd-Verbindung verfügt.


Nadelöhre unterirdisch umgehen



Die Umfahrung Stockholm, auf Schwedisch „Förbifarten“, ist eine neue, 21 Kilometer lange Schnellstraße, welche die schwedische Hauptstadt quert. Sie ist eines der größten Infrastrukturprojekte, das in Schweden je realisiert wurde. Mit der Planung des 2,7-Milliarden-EUR-Projekts wurde 2006 begonnen. Die Vorarbeiten starteten 2014, und die Einweihung ist für 2026 geplant.

Aufwändige Vorkehrungen wurden getroffen, um die Landschaft und Gebäude an der Oberfläche zu schützen. Zum Erhalt der Natur- und Kulturschätze Stockholms wurde beschlossen, ca. 18 der insgesamt 21 Kilometer langen Strecke durch Tunnel zu führen. Unter dem Mälarsee müssen die Bauarbeiten in einer Tiefe von 65 Metern erfolgen. 80 Prozent der Kosten werden durch eine Stauabgabe finanziert, während die restlichen 20 Prozent vom Staat übernommen werden. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass sich die Investition durch die daraus resultierende Wirtschaftsentwicklung und kürzere Fahrzeit selbst trägt. Für eine geschätzte Zahl von 145.000 Fahrzeugen pro Tag wird sich die Fahrzeit zur Durchquerung der Stadt auf 15 Minuten verringern.

Der fertige Tunnel, der im Süden in Kungens Kurva beginnt und im Norden bei Häggvik endet, wird nach dem Yamate-Tunnel in Tokio der zweitlängste Stadttunnel der Welt sein.


Bautätigkeit in  Kungens Kurva



Skanska Sverige AB – langjähriger Kunde von Leica Geosystems – erhielt den Zuschlag für den 12,6 Millionen EUR teuren Bau des Südportals des Tunnels und die Anbindung an die E20, die am stärksten befahrene Straße Schwedens, in Kungens Kurva, der größten Einkaufsmeile Skandinaviens. Bei diesem Bauvorhaben ist Sicherheit oberstes Gebot. Gleichzeitig ist es wichtig, den Verkehrsfluss nicht stärker zu bremsen als unbedingt notwendig.

Pontus Holmberg ist als leitender Vermessungs­ingenieur von Skanska Sverige in Kungens Kurva tätig. Er ist für die Vermessungstechniker im Feld und die Maschinenflotte verantwortlich, die vor allem aus Bohrwagen, Baggern und Raupen unterschiedlicher Baufirmen besteht, von denen viele mit Maschinen­steuerungslösungen von Leica Geosystems aus­gestattet sind. Holmberg nutzt Leica ConX, um Modell-dateien an die Maschinen und die Teams vor Ort zu übermitteln.

Bei der Arbeit mit verschiedenen Baufirmen auf einer so großen Baustelle ist entscheidend, dass alle über die aktuellsten Daten verfügen“, erklärt Holmberg. „Leica ConX hilft mir bei der Überwachung der Maschinen vom Büro aus und erlaubt die Datenübertragung in Echtzeit, damit alle Beteiligten auf dem neuesten Stand sind.“ 
Der eingesetzte Epiroc SmartRoc T35-Außenbohr­hammer ist mit einer eigens für diese Maschine maßgeschneiderten 3D-Maschinensteuerungslösung von Leica Geosystems ausgestattet, die eine Schnittstelle zum HNS-Sensorsystem des SmartRoc T35 aufweist.

Der Bohrhammer arbeitet einen digital definierten Plan zur Bohrung von Sprenglöchern ab. Der Verkehr auf den zwei angrenzenden Straßen wird gestoppt, und Sprengungen des felsigen Untergrunds erfolgen täglich entweder um 10 Uhr oder um 14 Uhr unter Matten aus miteinander verbundenen alten LKW-Reifen, die das Herumspritzen von Geröll verhindern sollen.

Zwei Radlader stehen bereit, um die gesperrten Straßen sofort zu räumen, sollten sie doch einmal durch Gesteinsbrocken getroffen werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Straßen nicht länger als unbedingt notwendig gesperrt sind“, so der Projektleiter von Skanska Sverige, Dana Matti.


Immer in Verbindung bleiben



Nicklas Gustafsson, der Eigentümer der Baufirma Granskogens Gräv, arbeitet bereits seit eineinhalb Jahren auf der Baustelle. Gustafsson setzt die neue Maschinensteuerungseinheit Leica MCP80 ein und ist sehr angetan von den Verbesserungen. „Der größere Bildschirm ist einfacher ablesbar, und die Schaltflächen sind bedienerfreundlicher geworden. Das ist ein großer Vorteil“, so Gustafsson.

Laut Gustafsson ergaben sich bei den Arbeiten unter der Erde Probleme durch Fels und hohe Grundwasserspiegel. Deshalb sind bei Bauarbeiten an der verkehrsreichsten Straße Schwedens zuverlässige Technologien, die Stillstandszeiten auf ein Minimum reduzieren, unverzichtbar.

Die Lösungen von Leica Geosystems erlauben uns, immer mit der Bauleitung in Verbindung zu bleiben. Flexible Datentransfers unterstützen die Workflows auf der Baustelle. Ich habe vier Jahre lang mit der Maschinensteuerungslösung von Leica Geosystems auf meinem Liebherr 926 Compact-Bagger gearbeitet”, fährt Gustafsson fort. „ 

Systeme von Leica Geosystems sind entscheidend für die zahlreichen Phasen des Baus von Anschlussstellen, Tunneln und vorläufigen Hafenanlagen für dieses Großprojekt. Maschinensteuerungslösungen, Totalstationen, Prismen und Scanner von Leica Geosystems sind nur einige von unzähligen Produkten, die virtuos zusammenspielen müssen, um Bauvorhaben dieser Größenordnung erfolgreich abzuschließen.

 

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