Vom Hafen zur Stadt

Vom Hafen zur Stadt
Autor: Karina Lumholt

Schon immer haben Häfen die städtebauliche Entwicklung von Städten entscheidend mitgeprägt und als Zentrum gewerblicher, industrieller und manchmal auch militärischer Aktivitäten fungiert.

Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich im Hafengebiet zahlreiche große Schwerindustrie- Unternehmen an, doch seit den 1960er Jahren werden Waren großteils auf Containerschiffen transportiert. Solche Containerschiffe erfordern moderne Hafenanlagen mit hohen Kapazitäten. Deshalb haben sich die großen Industriebetriebe nach und nach aus den Hafengebieten zurückgezogen und diese dem Verfall preisgegeben.

Zu den wichtigsten Aufgaben der Stadtplanung zählt daher heute die Umwandlung von brachliegenden Hafenflächen in lebenswerte städtische Räume und Naherholungsgebiete. Dabei ist es wichtig, mit Fingerspitzenfühl vorzugehen, um das industrielle Kulturerbe und die Hafenumgebung zu schützen. Für eine geglückte Reintegration nicht mehr genutzter Hafenanlagen in den städtischen Raum finden sich von San Francisco über Marseille bis hin zur Hafencity in Hamburg weltweit Vorbilder.


REVITALISIERUNG DES HAFENVIERTELS VON AARHUS 



Das Bauvorhaben „Urban Mediaspace Aarhus“ ist Teil der Umgestaltung des Binnenhafens in Aarhus von einem Industriehafen in ein attraktives innerstädtisches Areal. Eines der Anliegen dieses 270 Mio. EUR teuren Projekts ist die Schaffung eines fließenden Übergangs zwischen Stadt- und Hafengebiet. Das Vorhaben setzt sich aus mehreren Elementen zusammen: Öffentliche Bibliothek und Kulturzentrum „Dokk1“ (eröffnet im Juni 2015), Gestaltung von Uferflächen, automatisches Parkhaus, Öffnung des verbleibenden Stücks des Aarhus-Flusses, Restrukturierung der Hafeninfrastruktur und Klimaschutz für das Stadtzentrum.

Das Projekt ist von enormer Bedeutung für das Leben der Menschen am Hafen und in der Stadt. Das Areal ist in unmittelbarer Nähe des Doms zu Aarhus, der Fußgängerzone und des Flussufers gelegen. Dadurch ist das neu erschlossene Stadtviertel prädestiniert als Treffpunkt und Ausflugsziel.

Das Bauunternehmen Kølkær Entreprenør arbeitet bereits seit dreieinhalb Jahren an diesem Vorhaben und erbringt Erdbewegungsleistungen für die Verlegung von Kabeln, Abwasserleitungen sowie Entwässerungsanlagen im Gegenwert von 1,35 Mio. EUR. Kaare Kølkær von Kølkær Entreprenør nutzt seit Beginn der Grabungen die Leica iCON iXE 3D-Baggersteuerungslösung von Leica Geosystems.

„Dieses Bauvorhaben ist völlig anders als die Projekte, mit denen wir sonst zu tun haben“, erklärt Kølkær. „Es ist eine ungewöhnlich komplexe Revitalisierung, aber gerade dadurch sehr spannend. Beispielsweise gibt es in diesem alten Hafen manchmal keine Pläne, auf denen der Verlauf von Abwasserkanälen, Fundamenten oder Rohren eingezeichnet ist. Deshalb gab es bei den Grabarbeiten schon einige unvorhergesehene Zwischenfälle.“

Trotz der hohen Gebäude in der Umgebung ist Kølkær sehr zufrieden mit der Qualität des GPS-Signals. „Wir konnten das GPS sogar zum Graben von Schächten verwenden. Die Totalstation mussten wir nur in sehr engen Gassen einsetzen“, so Kølkær.


RAFFINIERTE NUTZUNG DES PROTOKOLLIERUNGSSYSTEMS

Eine weitere Herausforderung war die Tätigkeit in unmittelbarer Nähe zum Wasserspiegel. Am 03. Januar 2017 verursachte ein Sturm in Dänemark ein sogenanntes hundertjährliches Hochwasser mit ungewöhnlich hohen Pegelständen. Kølkær arbeitete zu diesem Zeitpunkt an einem Damm, der vom Wasser einfach weggespült wurde. „Hier habe ich ungemein vom Protokollierungssystem der Leica iCON iEX 3D-Lösung profitiert. Mit seiner Hilfe gelang es mir, rasch wieder den letzten Stand meiner Arbeit am Damm herzustellen“, erinnert sich Kølkær.

Auch in anderer Hinsicht erwies sich die Protokollierungsfunktion bei diesem Vorhaben als nützlich. „Ein Projekt wie dieses geht nur langsam voran. Immer wieder gab es lange Unterbrechungen, in denen wir darauf warten mussten, bis andere Unternehmen ihre Aufgaben ausgeführt hatten. Das Hafenviertel konnte außerdem nicht für den Verkehr gesperrt werden, sodass die Arbeit in kleinen Schritten erfolgen musste. Manchmal war ich einen ganzen Monat lang nicht dort und konnte mich schon gar nicht mehr erinnern, was ich zuletzt getan hatte. Auch hier hat mir die Protokollierungsfunktion bei diesem komplexen Projekt, das sich buchstäblich über Jahre erstreckt hat, geholfen“, erzählt Kølkær.


AARHUS – KULTURHAUPTSTADT EUROPAS 2017

Dokk1 und der Hafen von Aarhus standen im Mittelpunkt der spektakulären Eröffnungsveranstaltung, mit der am 21. Januar 2017 das Jahr, in dem Aarhus Kulturhauptstadt Europas ist, eingeläutet wurde. In diesem Rahmen wird insbesondere das Wikinger-Erbe der Stadt in den Vordergrund gerückt, die im 8. Jahrhundert an dem natürlichen Hafen gegründet wurde, der nach einer wechselvollen Geschichte nun behutsam revitalisiert wurde und in der zweitgrößten Stadt Dänemarks künftig eine wichtige Rolle spielen wird.

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