HxGN LIVE Keynote von Jürgen Dold

Perceptality: Wahrnehmung trifft Realität

HxGN LIVE Keynote

Jürgen Dold, President Hexagon Geosystems, stellte sein Perceptality-Konzept auf der HxGN LIVE vor, der jährlichen internationalen Hexagon-Konferenz, am 14. Juni im Venetian Ballroom in Las Vegas (US-Bundesstaat Nevada).

In seiner Keynote konzentrierte sich Jürgen Dold auf digitale Realitäten und ging der Frage nach, wo die Reise hingeht. Dazu wurden Projekte aus der ganzen Welt vorgestellt, welche die von Leica Geosystems entwickelten Technologien zur Erfassung der Realität innovativ nutzen und so die Grenzen des technisch Machbaren immer weiter verschieben. Wenn Hexagon-Kunden selbst die Initiative ergreifen, wird durch Inspiration und das Bedürfnis, die Grenzen des Möglichen zu erkunden, das nächste Level der Digitalisierung der Realität erreicht.

PERCEPTION (WAHRNEHMUNG) + REALITY = PERCEPTALITY

Zu Beginn seiner Keynote führte er aus, warum Wahrnehmung und Realität gleichermaßen wichtig und mächtig sind. Unsere Wahrnehmung – Englisch: „perception“ – ist unser Fenster zur Welt und die Grundvoraussetzung für kreative Problemlösungsprozesse. Allerdings ist jede Art von Wahrnehmung subjektiv, wodurch ihr praktischer Nutzen stark eingeschränkt ist. Die Realität hingegen ist objektiv, faktenbasiert und messbar.

„Wahrnehmung und Realität sollten nicht getrennt voneinander existieren“, brachte es Dold auf den Punkt. „Wir müssen Wahrnehmung und Realität verschmelzen.“

Daraus ergibt sich Perceptality. Hexagon Geosystems hat es sich zur Aufgabe gemacht, unsere Wahrnehmung mit digitalen Daten anzureichern, um uns fundiertere Entscheidungen zu ermöglichen. Dies ist die Prämisse der Realisierung der digitalen Welt und der Schaffung einer digitalen Realität, in der die Anwender „ihre brillanten, visionären Projekte mit höherer Qualität und Effizienz umsetzen können“.

PERCEPTALITY-POTENZIAL IN UNTERSCHIEDLICHEN BRANCHEN

In seiner Keynote beschäftigte sich Jürgen Dold auch mit dem schier unbegrenzten Potenzial von Perceptality in unterschiedlichen Branchen, beispielsweise bei der Verwaltung von Infrastruktursystemen, Städten und Betrieben, bei forensischen Ermittlungen oder in der Architektur und dem Hoch-, Tief- und Ingenieurbau.

Energieversorgern bietet Perceptality Aufschluss darüber, ob ihre Stromnetze sicher sind: Damit bei Tausenden von Kunden, die auf ihre Stromversorgung angewiesen sind, verlässlich das Licht brennt, müssen die Fernleitungen laufend überwacht und gewartet werden. Digitale Darstellungen der Vegetation in der Nähe dieser Fernleitungen erlauben fundierte Entscheidungen über die beste Vorgehensweise zur Sicherung der Stromversorgung.

Mit dem erst kürzlich präsentierten Luftbildsensor Leica SPL100, der auf Einzelphotonen-LiDAR-Technologie (SPL) basiert, können Versorgungsleitungen mit einer Effizienz erfasst und verwaltet werden, die um ein Vielfaches höher ist als alles, was bislang möglich war. So wurden z. B. mit dem SPL100 Fernleitungen aus 2,5 Kilometer Höhe bei einer Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern und einer Auflösung von 80 Punkten pro Quadratmeter erfasst. Mit herkömmlichem LiDAR konnten bis dato unter denselben Voraussetzungen nur drei Punkte pro Quadratmeter erfasst werden. Alle Details in den SPL-Daten waren mühelos zu erkennen.

HxGN LIVE Keynote

Stadtplanern bietet sich die Möglichkeit, bei der Konzeption intelligenter Städte ihre Wahrnehmung durch die Realität zu erweitern, um klügere Entscheidungen zu treffen. Bei der Erstellung präziser 3D-Modelle wachsender Städte gilt: Je genauer die Daten, desto besser das Verständnis.

Der Luftbild-Hybridsensor Leica CityMapper kombiniert schiefachsige Bildgebung und LiDAR-Daten zur effizienteren Erfassung detaillierter Stadtmodelle mit höherer Qualität. Insbesondere die neue integrierte LiDAR-Technologie versetzt Anwender in die Lage, nicht nur die 3D-Modellierungsgeschwindigkeit von Städten zu erhöhen, sondern auch enge Häuserschluchten zu erfassen, in denen mit herkömmlichen bildbasierten Sensortechnologien nicht gearbeitet werden konnte.

Bei der Verwaltung von Anlagen erhöht Perceptality die Sicherheit und verringert gleichzeitig die Kosten. Der finanzielle Aufwand für die Überwachung komplexer Industrieanlagen geht in die Milliarden. Selbst der kleinste Fehler in einem frühen Stadium kann ganze Projekte komplett aus der Bahn werfen und enorme Verzögerungen und ausufernde Kosten verursachen.

Mit der neuen Software Leica Cyclone REGISTER 360 können Anlagenverantwortliche nun mit weniger Aufwand und in wesentlich kürzerer Zeit digitale Darstellungen ihrer komplexen Einrichtungen generieren. Dold demonstrierte die Vorteile der neuen Software am Beispiel von CEPSA, einem spanischen Energieversorger, der sein Betriebsgelände mit der Leica ScanStation P40 erfasst hat. Durch die Kombination der Pläne mit den hochgradig detaillierten Punktwolken konnte CEPSA Abweichungen zwischen Plan und Realität vom Schreibtisch aus erkennen. Durchschnittlich lassen sich durch den Einsatz solcher Technologien Kosteneinsparungen von ein bis zwei Prozent realisieren, was bei solchen Bauvorhaben rasch mehrere Millionen Euro ausmacht.

„Die Konstruktionszeichnungen zeigen nur, was geplant war, und nicht, was später hinzugefügt wurde“, erläutert Dold das Problem. „Die Erweiterung unserer Wahrnehmung erfordert eine Verschmelzung der makellosen Planung mit dem Detailreichtum der Realität. Um Perceptality zu erreichen, müssen die Daten zusammengeführt werden.“

In der Verbrechensbekämpfung stellt Perceptality sicher, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Bei forensischen Ermittlungen muss ein Tatort erfasst werden, bevor Spuren zerstört werden oder sich die Lage ändert. Wichtige Beweismittel müssen zur Vorlage bei Gericht gesichert werden. Durch Laserscanning kann jeder Tatort erfasst und langfristig im Originalzustand erhalten werden.

Mit der Leica Geosystems Incident Mapping Suite (IMS) bleiben Tatorte unberührt, während Beweismittel in vor Gericht zulässigen Unterlagen dokumentiert  werden. Als Beispiel führte Dold den realen Fall einer Schießerei an, in dem mittels Laserscanning genau geklärt werden konnte, wie und von wo die Schüsse abgegeben wurden. Die erfassten Punktwolken erlaubten Fachleuten und dem Gericht die digitale Erkundung des Tatorts und die Analyse der Flugbahn der Geschosse, um Unstimmigkeiten in den Aussagen von Beamten und Zeugen auf den Grund zu gehen.

Für Arbeiten im Hoch-, Tief- und Ingenieurbau erlaubt Perceptality höhere Effizienz. Falsch geplante Sanierungstätigkeiten können Reparaturkosten in die Höhe treiben und den Wert von Immobilien verringern. Die Unterstützung solcher Aufgaben durch digitale Realitäten führt zu erheblichen Kosten- und Zeiteinsparungen.

Durch die Entwicklung des neuen Laserscanners Leica BLK360 wurde eine Technologie für den Bausektor erschlossen, die dieser Branche vorher nicht zugänglich war. Dold erzählte, dass es bei der Konzeption des BLK360 um die Demokratisierung von Laserscanning durch den Bau eines einfachen, dynamischen, vernetzten und mobilen Geräts ging, das auf Knopfdruck funktioniert.

„Wir treiben die Technologie voran, um unsere Wahrnehmung durch die Realität zu ergänzen“, brachte Dold die Unternehmensphilosophie auf den Punkt. „Wir wollen das Korsett unserer typischen Branchen hinter uns lassen und Perceptality für jeden ermöglichen, der auf einen Knopf drücken kann.“

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AUF DER BRÜCKE ZWISCHEN WAHRNEHMUNG UND REALITÄT

Zum Abschluss seiner Keynote ging Dold noch auf die Grenzen der Technologie ein. Hexagon Geosystems überwindet Grenzen und hat den Mut, neue Ideen neu zu denken. Eingeschränkt werden wir dabei zum einen von noch nicht erzielten technischen Durchbrüchen und zum anderen von unseren eigenen gedanklichen Barrieren. Schließlich ermutigte Dold das Publikum, sich auf die Brücke zwischen Wahrnehmung und Realität zu wagen und vor dem Hintergrund der Realität visionäre Ideen zu entwickeln.

„Bei Hexagon Geosystems bauen wir mit unseren einzigartigen Lösungen zur Erfassung der Realität Brücken, um die reale in die digitale Welt zu holen. Durch cloudbasierte Verfahren bieten wir die notwendige Interoperabilität, um Perceptality in praktisch jeder Branche zu ermöglichen“, verspricht Dold. „Wir sind ständig auf der Suche nach besseren Versionen – unserer Technologien, unserer Unternehmen und uns selbst. Bei Hexagon Geosystems arbeiten wir intensiv an diesen besseren Versionen, und wir laden Sie ein, diesen Weg mit uns zu gehen!“

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